Marielle Seitz

Marielle Seitz

marielle-seitz_vita_960ist ausgebildete Kunstpädagogin und hat viele Jahre an Fachakademien für Sozialpädagogik gearbeitet. Berufsbegleitend besuchte sie das Waldorflehrerseminar in München. In Montessori-Pädagogik absolvierte sie den Internationalen Montessori-Lehrgang (AMI Diplom). Aufgrund ihrer Erfahrungen in kunstpädagogischer Arbeit, Montessori-Therapie und der von ihr entwickelten Sandfeldtherapie für behinderte Kinder erhielt sie einen Lehrauftrag an der Akademie für Bildende Künste München (Studiengang Kunsttherapie). Marielle Seitz war Dozentin an Fachakademien für Sozialpädagogik und Lehrbeauftrage an der Münchner Kunstakademie (Lehrstuhl Fachdidaktik Kunstpädagogik) für das Thema “Entwicklungsgesetzmäßigkeiten der Kinderzeichnung”. An der Universität in Seoul/Korea ist Marielle Seitz Gastdozentin.

Sie war Gründerin und Leiterin der Montessori-Kinderwerkstatt und des Kinderateliers Rembrandt Vier. Seit 2011 ist sie im Beirat von Little ART. Als Referentin ist sie bei internationalen Kongressen, Workshops und Fortbildungen gefragt und Mitglied im Expertenforum Dusyma. Außerdem ist Marielle Seitz als freie Designerin in der Produktentwicklung von Dusyma und Wehrfritz tätig.

Als Autorin ist sie den Lesern von Fachbüchern bekannt und viele pädagogische und heilpädagogische Einrichtungen arbeiten mit den von ihr entwickelten Materialien zur Kreativitätsförderung.

Als Gründerin und Leiterin des Instituts für Kreativität und Pädagogik engagiert sie sich seit 2013 für das Projekt Liebensbriefe.

Radiointerview mit Marielle Seitz: Sendung Hauptsache Mensch.

Sehr Persönliches

marielle_rudi_seitzAls Kunstpädagogin war ich in meiner beruflichen Tätigkeit immer offen für neue Themen und Wege. Neue und ungewöhnliche Themen fordern uns alle zu kreativen Lösungswegen auf. Dass ich einmal ein „Trauerprojekt“ mit Kindern in dieser Größenordnung planen und durchführen würde hatte ich nie eingeplant. Doch die Schicksalswege sind nicht vorhersehbar.

2001 verstarb Rudi Seitz. Damit war nichts mehr wie vorher. Wie viele Menschen versuchte ich irgendwie mit dem Verlust fertig zu werden, stürzte mich in die Arbeit und vielleicht war das für mich auch zuerst einmal die beste Art und Weise wieder ins Leben zu finden. Im Frühjahr 2013 wurde ich selbst ziemlich krank. Es war „nur“ eine Grippe, die sich aber zu einer ernstzunehmenden Erkrankung ausweitete. Dieser Krankheitsverlauf war Risiko und Chance zugleich.

In dieser Zeit entstand in mir die Idee und der Wunsch ein künstlerisches Projekt mit Kindern umzusetzen. Was und wie stand noch nicht fest. Es war zuerst einmal der Wunsch und die Phantasie, wenn ich wieder ganz gesund werden würde, etwas dem Leben zurückzugeben. Aus dieser Motivation heraus nahm ich im September 2013 Kontakt mit 60 mir bekannten pädagogischen Einrichtungen auf und stelle die Idee lediglich in einem kurzen Mail vor. Spontan haben 21 Kindergärten und Schulklassen zugesagt. Einer persönliche Einladung an die Gruppe kamen alle gerne nach und wir besprachen die Vorgehensweise. Alle Kinder bekamen das Zeichenmaterial kostenlos von mir zur Verfügung gestellt und ein schriftliches Briefing an die Pädagogen half bei der technischen Vorgehensweise. Bilderbücher zum Thema wurden vorgeschlagen und ausgetauscht. Der wichtigste Punkt aber war, den Kindern beim Zeichnen und Schreiben der Briefe alle Freiheiten zu lassen. Damit die Privatsphäre der Kinder und Pädagogen gewahrt wurde stellten wir alle Briefe anonym aus. Lediglich ein internes Nummernsystem schafft für mich und eine Mitarbeiterin des Gestaltarchivs den Überblick. Auf Wunsch können Sie sich Ihre Kinderbriefe für eigene Ausstellungen ausleihen. Wichtig für Sie und die Kinder ist es aber auch, die eigenen Briefe erst einmal „loszulassen“. Diese Vorgehensweise werden wir beibehalten.

Wichtig dabei war mir dem Thema Tod „ein neues Kleid“ im Leben zu geben. Neue Themen brauchen neue Techniken und die neue Technik der Liebensbriefe machen es Ausführenden und Betrachtern möglich, das Thema in lichten und transluzenten Bildern zu gestalten und anzuschauen. In der Betrachtung der Kinderliebensbriefe wurden auch die Erwachsenen in ihrer Phantasie und Reflexion mit einbezogen. Eine große soziale Plastik im Sinne von Joseph Beuys war entstanden!

Die Liebensbriefe der Kinder waren und sind Botschaften aus dem Leben und führen in ihrer Authentizität ins Leben zurück.

„Der Gedanke an einen Menschen, den man verloren hat, kann einem Liebe zu allen anderen geben.“

Elias Canetti

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